Standpunkte

Ein Appell für die Windkraft

08.11.2019

In den vergangenen Monaten war ich als GRÜNEN Politiker mit immer mehr Negativstimmen, hanebüchenen Argumentationen und vielfach grundlegend falschen Aussagen gegen die Windkraft konfrontiert. Auf eine der meistgehörten Aussagen, wonach die Menge an Bäumen, die für den Bau von Windkraftanlagen in einem Waldgebiet gerodet werden müssen, mehr CO2 einsparen würden als die eigentliche Windkraftanlage möchte ich an dieser Stelle fundiert eingehen. Eines ist unbestritten: Der Wald hat eine ungemein wichtige und positive Wirkung auf die Bindung von CO2. Dass jedoch die Windkrafterzeugung diesen positiven Effekt zunichtemacht, ist schlicht nicht korrekt.

 

Zunächst einmal die Betrachtung der notwenigen Rodung für eine Windkraftanlage im Wald: Das hessische Wirtschaftsministerium geht von 0,3 Hektar Rodungsfläche für eine Windkraftanlage aus. Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat auf eine kleine Anfrage der Grünen in 2018 mit einem Wert von 0,28 Hektar pro Anlage geantwortet. Für Zufahrtswege und Materiallager muss eine zusätzliche durchschnittliche Fläche von 0,35 bis 0,45 Hektar eingerechnet werden. Das Forum Umwelt und Entwicklung, eine Dachorganisation für deutsche Nichtregierungsorganisationen im Bereich nachhaltiger Entwicklung nennt 0,5 Hektar gerodeter Wald pro Windkraftanlage.

 

Im nächsten Schritt die Betrachtung der Energieproduktion einer Windkraftanlage. Ausgehend von einer der meistgebauten Anlagen, der Typ E-115 des Unternehmens Enercon, speist diese jährlich ca. 6 Mio. KWh Strom in das Netz ein. Wohlgemerkt ist dies die Zahl für einen „schlechten Standort“, da das Argument der Schwachwindgebiete auch ein sehr Beliebtes bei Windkraftgegner*innen ist. Das Umweltbundesamt geht

von einem Netto-Vermeidungsfaktor von 606,14 Gramm CO2 pro produzierter KWh Strom bei einer Windkraftanlage aus. Netto bedeutet hier die Berücksichtigung von CO2-Emissionen durch beispielsweise die Herstellung der Anlage. Im Ergebnis hat eine Windkraftanlage des oben genannten Typs eine jährliche

CO2-Netto-Vermeidung von rund 3.600 Tonnen CO2.

 

In letzten Schritt Bedarf es noch der Betrachtung der CO2 Aufnahmekapazitäten des Waldes. Das Thünen-Instituts benennt eine Summe von rund 5,4 Tonnen CO2 pro Hektar Wald und Jahr. Dieser Wert variiert natürlich je nach Art und Alter des Baumbestandes. Auf der Basis der aufgeführten Werte geht die Bilanz also sehr deutlich zugunsten der Windkraftanlage aus. Wenn von 0,5 Hektar Rodungsfläche für eine Windkraftanlage ausgegangen wird, hätte die gleiche bewaldete Fläche pro Jahr theoretisch 2,7 Tonnen CO2 aufnehmen können. Die erbaute Windkraftlage jedoch spart 3.600 Tonnen CO2 pro Jahr ein. Der Effekt

einer Windkraftanlage in Bezug auf die CO2-Bilanz übersteigt die reine CO2 Bindungsleistung des Waldes um weit mehr als das Tausendfache.

 

Neben den Detailfragen zur Windkraft und dem Wald möchte ich abschließend eine weit größere Perspektive einnehmen. Eines ist klar: Gelingt es uns nicht, schnell und umfänglich die Energieproduktion CO2-neutral zu gestalten, wozu in erheblichen Maße die Windkraft beitragen muss, so wird man den hessischen Wald ohnehin zerstören. Die rationale Überlegung lautet also: Rodet man sehr kleine, rücksichtsvoll ausgewählte Waldflächen für den Bau von nachhaltigen Windkraftanlagen und schützt somit den gesamten Waldbestand oder bringt man den Windkraftausbau zum Erliegen, verzögert damit den dringend nötigen Wandel in der Energieerzeugung und vernichtet damit automatisch unseren Wald?

Der Fall Wilke: Was jetzt passieren muss

01.11.2019

Mir geht es so, wie vermutlich den allermeisten von Ihnen: Ich bin schockiert über das Ausmaß der Missstände in der Lebensmittelproduktion der Firma Wilke. Ich bin angeekelt angesichts der Berichte und der Bilder über verschimmelte und bakterienbefallene Wurstwaren. Und ich bin betroffen, dass Menschen deshalb erkrankt sind, drei davon sogar sterben mussten.

 

So muss eine unumgängliche Konsequenz sein, dass die bestehenden Strukturen in der Lebensmittelüberwachung genauestens unter die Lupe genommen werden. Denn offensichtlich hat das derzeitige System nicht ausgereicht, die kriminelle und skrupellose Art der Wurstproduktion der Firma Wilke frühzeitig zu erkennen, die bestehenden Mängel abzustellen und den Betrieb wenn nötig rechtzeitig zu schließen. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat die Firma Wilke als zuständige Lebensmittelüberwachungsbehörde regelmäßigen Kontrollen unterzogen. Doch wie konnten die augenscheinlichen Hygienemängel im gesamten Produktionsbereich, die erst diese Woche nochmals deutlich im Prüfbericht der hessischen Task-Force Lebensmittelsicherheit des Regierungspräsidiums Darmstadt benannt wurden, über solch eine lange Zeit ungeahndet fortbestehen? Wie konnten bauliche Mängel der Produktionsstätte, die durch hohe Feuchtigkeit die Bildung von Keimen wie Listerien befördert haben, nicht erkannt werden? Die kausale Verantwortung liegt beim zuständigen Landkreis und muss bis ins kleinste Detail aufgearbeitet werden.

 

Viel Kritik prasselt derzeit auch auf das Grüne Umwelt- und Verbraucherschutzministerium nieder. Sicherlich bedarf es einer breitgefächerten Offenheit, um tatsächlich auf allen Ebenen fehlerhaftes Verhalten aufzudecken. Da ist auch das Ministerium gefordert seine internen Abläufe aufmerksam zu überprüfen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann jedoch deutlich festgehalten werden, dass die Ministerin Priska Hinz umgehend gehandelt hat, als Mitte September der Zusammenhang zwischen den aufgetretenen Todes- und Krankheitsfällen und den Listerienfunden in der Firma Wilke bewiesen werden konnte. In der Konsequenz wurden verschärfte Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen beschlossen, welche letztendlich zur Schließung der Firma Wilke geführt haben. Erst mit der einwandfreien Zuordnung der Todesfälle zu Produkten der Firma Wilke konnte das Ministerium rein rechtlich überhaupt aktiv eingreifen.

 

Eine gute Nachricht ist: Der Rückruf ist vollständig und erfolgreich vollzogen worden. Auch wurde durch die Geschehnisse erheblicher Druck aufgebaut, um nun effektive Änderungen in der Kontrolle von lebensmittelproduzierenden Unternehmen vorzunehmen. Auch hier möchte ich klar herausstellen, dass seitens der GRÜNEN bereits vor Bekanntwerden des Falls Wilke im ersten Halbjahr 2019 ein Gesetzentwurf in den Hessischen Landtag eingebracht wurde, der weitgehende Fachaufsichtsmöglichkeiten für das Ministerium ermöglichen soll. Dieser muss nun zügig verabschiedet werden. Die alleinige Zuständigkeit von teils kleinen Landkreisen für die Kontrolle von zahlreichen, mitunter großen Lebensmittelproduzenten ist offenkundig nicht praktikabel. Die Kommunalisierung in der hessischen Lebensmittelüberwachung braucht eine stärkere Fachaufsicht mit mehr Befugnissen, dass sich Fälle wie Wilke nie mehr wiederholen können.

 

Daneben fordern wir GRÜNEN in Hessen folgendes: Erstens muss die Rückverfolgbarkeit von Waren transparenter werden; zweitens muss das Krisenmanagement zwischen Bund und Ländern verbessert werden; und drittens braucht es eine lückenlos funktionierende Melde- und Einsendepflicht der Lebensmittelkontrollbehörden, wenn Mängel festgestellt werden.

 

Einen Apell möchte ich noch an uns alle aussprechen: Sicherlich, egal zu welchem Einkaufspreis, der Kunde hat ein Anrecht auf keimfreie und gut kontrollierte Ware. Zum vollständigen Bild gehört jedoch auch: Wer immer billigeres Fleisch, noch dazu in großen Mengen verzehren möchte, degradiert ein hochwertiges Lebensmittel wie die Wurst. Wir sollten uns also alle auch an die eigene Nase packen und uns fragen, welchen Geldwert wir diesem Lebensmittel tierischen Ursprungs zuschreiben wollen und wie häufig wir dieses konsumieren sollten. Damit Landwirte, Metzger und fleischverarbeitende Industrie hochwertige Produkte produzieren können, müssen Wurst- und Fleischwaren einen angemessenen Preis haben. Das Wohl für den Menschen und das Tier müssen garantiert werden.

Starke Heimat: Dipperz profitiert und empört sich trotzdem

17.09.2019

Die anstehende Umsetzung der Starke Heimat Hessen-Umlage treibt manchmal merkwürdige Blüten. Die Gemeinde Dipperz hat einstimmig eine Resolution beschlossen, um sich gegen erhöhte Geldzuweisungen des Landes auszusprechen. So klar muss man den Beschluss der Kommune beurteilen. In ihrer Resolution, die sowohl von der CDU als auch von der Bürgerliste BLGD unterzeichnet und an Landespolitiker, Finanzminister und Ministerpräsident geschickt wurde, sprechen sich die GemeindevertreterInnen gegen die neue Starke Heimat-Umlage des Landes Hessen aus.

 

Ziel der Starken Heimat Hessen-Umlage ist es, finanzschwächere Kommunen in den Bereichen Kindergarten, Schule, Krankenhaus, Digitalisierung und Krankenversorgung zu unterstützen. Gewerbesteuerstarke Kommunen werden davon weniger profitieren als Kommunen, die wenig Gewerbesteuereinnahmen haben. Und zur Wahrheit gehört auch, dass manche Kommunen deutlich weniger erhalten werden. Bei diesen Kommunen kann ich eine gewisse Reserviertheit gegen die Umlage nachvollziehen. Bei Dipperz jedoch nicht. Zusätzliche 131.230 EUR werden im Haushalt 2020 planbar sein. Das sind 24.114 EUR mehr als ohne diese Starke Heimat Hessen-Umlage. Dipperz profitiert also – und will es nicht! Begründet wird die Ablehnung unter anderem mit zu viel Bürokratie. Hier sei gesagt: Für einen Großteil der Mittel müssen die Kommunen keine gesonderten Anträge einreichen, zum Beispiel für die Kindergartenmittel. Denn diese jährlichen Anträge stellen die Kommunen sowieso. Nur ab 2020 erhalten sie mehr Mittel hierfür. Noch dazu werden die Mittel aus dem Kommunalen Finanzausgleich erhöht. Auch hier gilt: keine extra Anträge. Dipperz hat kein Krankenhaus, ergo ist auch hier kein Antrag nötig. Wo ist der Bürokratieaufwand, den Bürgermeister Klaus-Dieter Vogler beanstandet?

 

Wenn die Gemeinde Dipperz die erhöhten Mittelzuweisungen seitens des Landes Hessens nicht braucht, dann biete ich mich an, diese Mittel – immerhin 24.114 EUR – örtlichen Vereinen und Verbänden zukommen zu lassen, um die Ehrenamtlichen in ihrer Arbeit zu unterstützen.